Herbsfrüchte und Wurzeln
Mag.a Gabriele Skledar

Edelkastanien:
Für Hildegrd von Bingen war die Edelkastanie ein wichtiges Heilmittel, sie spricht von einem Universalheilmittel für die Nerven-und Anti- Aging Mittel: Wurde als Nahrungsmittel von der Kartoffel verdrängt. Franzosen, Italiener essen Kastanien zum Rotwein, um ihre Nerven vor dem Alkohol zu schützen, Steirer essen sie zum Sturm. Inhaltsstoffe: Tanine(Gerbstoffe); Bioflavonoide, die als Radikalfänger die stressbedingten Sauerstoffradikale einfangen und so das Gehirn vor vorzeitigem Altern schützen. Hochwertige Kohlenhydrate: Sind für Energiehaushalt der Nervenzellen und Nervenleistung wichtig. Spezifische Nervenwirkstoffe wie GABA (Gammma-Amino-und Buttersäure); wichtig für die Nervenleitung. GABA ist ein körpereigenes Anabolikum, und sorgt für kräftige Muskeln ohne Fettansatz. Hildegard empfiehlt Kastanien bei jeglicher Art von Schwäche, auch Abwehrschwäche. Durch den Genuss erhält man seine Ausstrahlung und Widerstandskraft zurück, da die Kastanie voll gespeicherter Sonnenenergie ist. Regenerierende Wirkung auf die Leber: „ Wenn die Leber schmerzt, zerstoße Edelkastanien und lege sie in Honig ein. (3El Auf 100g Honig. Und diesen Honig iss oft, und deine Leber wird geheilt.“
Eicheln:
Kaffee aus Eicheln ist vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber es macht Spaß einmal selbst einen Kaffee aus Wildkräutern herzustellen und Eicheln gibt es ja genug. Eichhörnchen spielen und im Wald Eicheln sammeln, dabei begegnet dir wahrscheinlich so manches andere herbstliches Pflanzenwesen, dass dein Interesse weckt, z. B. Farne, Pilze und Moos. Lass dich ein und schau genau, du wirst dabei viel entdecken können. Deinen Waldgeschenkkorb nach Hause tragen, Eicheln schälen und kochen. Das Wasser musst du ein paar Mal wechseln, sonst wird dein Kaffee eine bittere Medizin. Danach trocknest du die Eicheln, zerkleinerst sie vorher. Die zerkleinerten, getrockneten Eicheln bei 200° C im Backrohr rösten, bis sie dunkelbraun sind. Danach mahlen und wie Kaffee aufgießen. Vor mehreren tausend Jahren stellten Eicheln für die Menschen in unseren Breiten ein wichtiges Nahrungsmittel dar. In Ausgrabungsstätten des Altertums wurden in den Küchen viele Reste von Eicheln gefunden. Bis zur Jahrhundertwende war der aus Eicheln zubereitete Brei für die Indianer Kaliforniens Bestandteil der täglichen Nahrung. Die Eicheln sind wegen des hohen Gerbstoffgehalts bitter und adstringierend. Da Gerbstoffe wasserlöslich sind, muss man die Eicheln nur lange genug kochen und das Wasser immer wieder wechseln, um eine hervorragende Grundlage für salzige Speisen (Brei, Gemüsepasteten) oder Süßspeisen (Cremes, Torten, Kuchen usw.) zu erhalten. Getrocknete und gemahlene Eicheln kann man ohne weitere Verarbeitung als Mehl verwenden. Die Eicheln besitzen wegen des hohen Gehalts an Kohlehydraten und Proteinen einen großen Nährwert.
Rosskastanien Aesculus hippocastanum:
Wirkstoffe: Ätherische Öle, Gerbstoffe (in der Samenschale), Cumarine wie Aesculin, fettes Öl, Flavonoide (v.a. Quercetin- und Kämpferol-Glykoside), Mineralstoffe, Purine, Proteine, Polysaccharide, Sterole, Triterpensaponine (mit Protoaescigenin), Vitamine B und C Ihren Namen verdankt die Rosskastanie den Türken, die sie bei der Belagerung von Wien als Pferdefutter mitführten. In Mitteleuropa wurde die Rosskastanie erstmals 1576 im Wiener Hofgarten gepflanzt und verbreitete sich schnell.

Heilwirkungen und Anwendungsgebiete der Rosskastanie
Die Rosskastanie enthält natürliche Seifenstoffe, sogenannte Saponine und eignet sich deshalb hervorragend für einen Badezusatz. Besonders zu empfehlen ist Rosskastanie als Einreibemittel bei rheumatischen Schmerzen sowie bei Krampfadern und müden, schweren Beinen; ideal auch zur Vorbeugung vor langen Autofahrten oder Flugreisen. In der Kastanie, vor allem in Blättern und Früchten stecken Saponine und Flavonoide, die sich positiv auf die Gefäße auswirken: sie fördern die Durchblutung und fördern den Rückfluss des Blutes zum Herzen. Diese Wirkstoffe haben nämlich die bemerkenswerte Fähigkeit, die Wände der Blutgefäße abzudichten. Das bewirkt, dass keine Flüssigkeit mehr ins Gewebe übertreten kann und das im Gewebe versackte Blut in die Venen zurückgeführt wird. Damit reguliert sich der Druck in den Gefäßen, Ödeme werden beseitigt, die Venen gestärkt und der venöse Kreislauf angeregt. Auch leichte Entzündungsprozesse, die häufig mit Ödemen oder Krampfadern verbunden sind, werden gelindert. Kastanienextrakte helfen auch bei Ödemen nach einer Röntgenbestrahlung. Nicht nur bei Krampfadern, auch bei Hämorrhoiden, (die ja nichts anderes sind als Krampfadern an einer besonders schmerzhaften Stelle!) wirken sie durchblutungssteigernd und fördern den Rückstrom des Blutes zum Herzen.

Badezusatz
Für ein Vollbad braucht man einen halben Eimer frische Kastanien. Die wäscht man ab, zerschneidet sie und weicht sie über Nacht in Wasser ein, damit sie weich werden. Am nächsten Tag dann in einem Topf kurz aufkochen, abseihen und den Sud ins Badewasser schütten. Gut umrühren, dann bildet sich schönster Badeschaum, der auch noch gesund ist. Der Schaum entsteht durch die Saponine und tut gut bei Rheuma, Gicht und Durchblutungsstörungen.

Waschpulver aus Rosskastanien –europäische Waschnüsse
Es ist denkbar einfach! Kastanien sammeln, zerkleinern, wie du das machst bleibt deiner Kreativität überlassen, Kastanien in einen Sack packen und mit dem Vorschlaghammer bearbeiten, oder vielleicht etwas vorschneiden und gleich mit Wasser in den Mixer? Schnipsel mit Schale mit Wasser aufgießen und ein paar Stunden ziehen lassen. Das Ganze sollte dann einen milchigen Saft ergeben, abseihen und ins Waschmittelfach in die Waschmaschine geben. Bei hartem Wasser empfiehlt es sich, zusätzlich einen Teelöffel Wasch-Soda mit in das Waschmittelfach zu geben. Soda wirkt als Wasserenthärter und verbessert so die Reinigungswirkung, für guten Duft noch ein paar Tropfen ätherisches Öl dazu, z.B. Lavendel Für eine Waschladung 3-6 gehackte Rosskastanien, wenn die Wäsche arg verschmutzt ist, nimm mehr mit ca. 300 ml Wasser in ein Glas geben, ungefähr 12-24 Stunden stehen lassen. Für ganz eilige Fälle gibt es auch die schnelle Methode: Die gehackten Kastanien in etwas Wasser auf kochen und ca. 15 Minuten köcheln. Die Menge reicht etwa für 3 Waschgänge in der Waschmaschine, wenn ihr keinen Waschtag habt, an dem ihr mehrere Ladungen Wäsche säubert, kann man die Brühe auch zum Geschirrspülen etc. (siehe Efeu) verwenden, oder das Glas in den Kühlschrank stellen, dort hält es sich mehrere Tage. Wenn es allerdings zu müffeln anfängt ist es nicht mehr zu gebrauchen. Kastanienwaschpulver auf Vorrat Für weiße Wäsche ist es empfehlenswert die Kastanien zu schälen, das ist allerdings nicht einfach, bester Tipp dazu ist die ganze Kastanie zunächst zu halbieren und sie in diesem Zustand trocknen zu lassen. Der Kastanienkern schrumpft und die Schale lässt sich besser lösen. Du kannst die getrockneten Kastanienkerne super lagern. Bei der Verwendung gibt es wieder verschiedenen Varianten: Entweder vorab im Wasser ansetzen, siehe oben, oder direkt in die Waschmaschine geben, wie Waschnüsse,- ca. 50g getrocknete Kastanienschnipsel in einen Feinkniestrumpf, oben zugeknotet und ab in die Maschine. In's Spülfach eventuell noch ein wenig Essigessenz, vorher mit Wasser und ein paar Tropfen Lavendelöl, für einen guten Duft. Du kannst die getrockneten, geschälten (für die weiße Wäsche), Kastanien im Cutter auch zu Mehl verreiben, dazu kochst du 1EL Wasser mit 4 El. Kastanienmehl auf, abseihen und als Flüssigwaschmittel ins Fach gießen.
Efeu:
Man kann zum Waschen von Allerlei, auch zum Geschirrspülen, auch Efeu verwenden, ganz praktisch, wenn man solchen im Garten hat; dann kann man sein Waschmittel bei Bedarf gleich pflücken und muss nicht auf Vorrat sammeln, da er ja das ganze Jahr über verfügbar ist. Efeu enthält sehr viele Saponine. Diese Waschbrühe eignet sich besonders für dunkle Handwäsche, da die dunkle Farbe intensiviert wird. 40 g frische Efeublätter ohne Stiele werden in drei Litern Wasser angesetzt. Für etwa 20 Minuten bei geringer Hitze köcheln lassen und anschließend abseihen. Wenn man eine dickere Konsistenz möchte kann man das ganze einfach mit etwas Johannisbrot- oder Guarkernmehl o.ä. andicken! Für den Duft 2-3 Tropfen ätherisches Öl dazu. Eignet sich sehr gut für alles, was gewaschen werden muss: Haut, Haare, Geschirr, Kleidung. Brühe ist allerdings nicht lange haltbar, da müsste man mit Konservierungsmitteln experimentieren, Paraben K, Weingeist, Rohkonsul, oder was euch sonst noch dazu einfällt. Das gilt auch für die Kastanienbrühe, die man genauso nicht nur zum Wäschewaschen verwenden kann, Geschirr, Haare (Efeu nur für dunkle Haare) usw. Wenn es gelingt sie zu konservieren, in einen Seifenspender für Flüssigseife mit schönem Duft von ätherischen Ölen, ihr wisst ja der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Bitte berichtet von euren Versuchen!!!

Habe aus Zeitmangel noch nicht viel Erfahrung mit diesen alternativen Pflanzenwaschmitteln, bin aber dran, würde mich sehr freuen, wenn ihr mir eure Erfahrungen dazu mailt, werde sie dann gesammelt in einem Newsletter ausschicken, damit alle von unseren Erfahrungen profitieren können.

Tinktur zum Einreiben
frisch gesammelte Kastanien abwaschen und samt Schale zerkleinern und in ein Schraubglas mit Wodka ansetzen.
Wurzelschätze:
Die Grosse Klette (Arctium lappa):
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
lappa) Familie: Korbblütler (Asteraceae) . Die große Klette ist zweijährig. In ihrem ersten Lebensjahr befindet sie sich in der Vegetationsphase, bleibt niedrig und bildet schöne große, Blätter aus. In ihrem zweiten Lebensjahr treibt sie ab Juni aufrechte, wollig behaarte Blütenstängel mit purpurroten Korbblüten, die im Hochsommer fruchten. Die Früchte fallen, wenn sie reif sind, ab und haften dann auf Tierfellen oder auf unserer Kleidung. Auf diese Weise lassen sie sich in andere Lebensräume tragen. Die schwefel- und Inulinhältige Wurzel, die zu Heilzwecken verwendet wird, erntet man entweder im Herbst des ersten Jahres oder im Frühjahr des zweiten Jahren.

Die große Klette ist eine "Bärenpflanze":
Interessant ist die Herkunft ihres wissenschaftlichen Pflanzennamens. Schon Dioskurides erwähnt den Gattungsnamen Arctium, der sich vermutlich von arcteion = griech. Bär ableitet, Lapp = keltisch Branke. So kann man Arctium lappa also frei als Bärentatze übersetzen. Tatsächlich kann diese stattliche Pflanze mit dem Bären in Verbindung gebracht werden, einem Krafttier, das auch in Europa verehrt wurde und als Attribut der Pflanzenschamanen galt. Der Bär gilt als Kenner der Kräuter und Wurzeln. Die Pflanze zeigt uns die Verbindung mit dem Bären in ihrer Gestalt - in ihren Signaturen. Einerseits sind es die großen ausladenden Blätter, andererseits die wollige Beschaffenheit der Blütenköpfchen, die mit "Krallenhäkchen" bewehrten Früchte und die Heilkraft ihrer Wurzel. Die riesige Pfahlwurzel der Kletten wird übrigens bis 1 m lang, was die Ernte von "ausgewachsenen" Klettenwurzeln recht schwierig gestaltet. In das Pflanzloch sollte man einige Wurzelstücke zur Vermehrung belassen.

Inhaltsstoffe:
Heilkräftig sind neben schwefelhältigen Verbindungen, ätherische Öle, Schleime, Gerb- und Bitterstoffe sowie ein großer Anteil an Inulin (v.a. in der Wurzel). Laut Palow enthält die Klette antibiotische, fungizide (pilzhemmende) und möglicherweise auch tumorhemmende Stoffe.

Verwendete Pflanzenteile:
In der traditionellen Kräuterkunde werden Extrakte (Tinkturen) der Wurzel und Samen, Teeaufgüsse der Wurzel und Blätter, Ölauszüge der Wurzel und Samen verwendet. Beim Erhitzen gehen viele Wirkstoffe verloren, daher kann man die frische Wurzel kauen oder trocknen und ein Wurzelpulver herstellen, das dann messerspitzenweise genommen wird. Die Blätter zerquetscht und auf Wunden aufgelegt, besitzen keimtötende Wirkung. Die jungen Blätter und Stängel werden in der Wildkräuterküche verwendet.

Anwendung:
Wurzel- oder Blattextrakte werden äußerlich bei Ekzemen und Schuppenflechte eingesetzt, ferner bei Akne, Hautinfektionen, schlecht heilenden Wunden, Hautjucken und Insektenstichen. Klettenwurzelöl hält den Haarboden und damit auch das Haar gesund und soll auch das Haarwachstum fördern. Man kann den Haarboden und die Haarspitzen 2 Stunden vor dem Haarewaschen mit Klettenwurzelöl einreiben und unter Wärme einwirken lassen. Kettengemüse und Tee fördert den Abtransport von Überschüssigem Wasser aus dem Gewebe und dient der Blutreinigung. Klettenwurzeltinktur wird erfolgreich bei Boreliolose eongesetzt. Traditionell wurde Klettenwurzel bei Magendarmbeschwerden verwendet. Den Wurzeln und Blättern wird auch blutzuckersenkende und harntreibende Wirkung zugeschrieben. Jedenfalls regt die Pflanze alle ausscheidenden und entgiftenden Organe wie Leber, Milz, Galle, Nieren, Blase und Haut an, Giftstoffe auszuschwemmen. Das Klettenwurzelöl wurde auch zum Einreiben bei Gliederreißen und Gelenksentzündung (rheumatischer Formenkreis) verwendet. In China werden die Samen bei Erkältungen eingesetzt und gilt dort ebenso als wirksames Aphrodisiakum. Die Pfahlwurzel der großen Klette ist ein beliebtes Wurzelgemüse in Asien, vor allem in Japan, wo sie Gobo genannt wird. Ihr Geschmack ist ähnlich der Artischocke mit der sie verwandt ist (siehe dazu Wildkräuterküche)

Die Kletthäkchen der Klettenfrüchte waren Vorbild für die Erfindung des Klettverschlusses. Die Blätter wurden früher als Tabakersatz geraucht. Aus den Wurzeln stellte man einen Kaffeeersatz her, ähnlich wie mit Wegwartenwurzel.